Siemens der Lüge überführt
Bis vor kurzem warb die Siemens Gigaset Communications GmbH noch damit, dass das Telefon Gigaset A265 im ECO-Mode nicht nur strahlungsarm ist, sondern bei aufgelegtem Mobilteil die Strahlung sogar ganz reduziert (wenn nur ein Mobilteil verwendet wird).
Das zumindest geht aus den Unterlagen des Herstellers hervor:
“Sendeleistung abgeschaltet wenn Mobilteil in Basis”
Bei unseren Messungen, die wir in Zusammenarbeit mit unserer Schwesterinitiative aus Korb durchgeführt haben, konnten wir herausfinden, dass das Siemens A265 bei aufgelegtem Telefonteil immer noch mit einer Strahlung von 2.000 μW/qm – 5.000 μW/qm die Wohnung belastet.
Dieser Wert liegt oberhalb der Grenzwerte für nachweisbare Hirnstromveränderungen, Unfruchtbarkeit bei Mäusen und erhöhter Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke bei Ratten (siehe Grenzwerttabelle).
Zwar waren die Messergebnisse beim telefonieren besser, als bei anderen (vor allem älteren Telefonen), aber mit 11.000 μW/qm nur knapp unter dem Grenzwert, ab dem bei Erwachsenen mit einer doppelten Zunahme von Leukämie zu rechnen ist (siehe Grenzwerttabelle).
Ältere Telefone strahlen oft sogar noch viel intensiver und liegen mit Werten von bis zu 300.000 μW/qm und mehr nur knapp unter den Grenzwerten, ab denen eine erhöhte Gefahr für Grauen Star (Trübung der Augenlinse) ausgeht.
Im Kundenservicecenter darauf angesprochen gab der Hersteller den Fehler zu, denn das Telefon reduziert die Strahlung nicht komplett, sondern nur um ca. 80%. Auf der Internetseite schreibt Gigaset.de für das Siemens Gigaset zwischenzeitlich: “Sendeleistung nahezu null, wenn sich das Mobilteil in der Basisstation befindet (bei einem angemeldeten Mobilteil) – Reduzierung der Sendeleistung um 80 %”.
Für skandalös halten wir, dass von Seiten desKundenservicecenters keine proaktive Reaktion auf den Hinweis kam, wie z.B. dass das Telefon kostenlos umgetauscht werden kann oder man sein Geld zurück erhält, denn die Werbung auf der Verpackung und in der Bedienungsanleitung “versprechen” etwas anders und täuschen, nach unserer Ansicht, gutgläubige Kunden.
Elektrosmogsensible Personen, die aufgrund dieses Hinweises das Telefon kaufen, sind angeschmiert und reagieren trotz angeblich strahlungsfreiem Telefon auf die Strahlung.
Sollten Sie ein solches Telefon im Einsatz haben und in Ihrer Bedienungsanleitung steht nicht der Hinweis auf eine Reduzierung um lediglich 80%, wenden Sie sich bitte an das Siemens Kundenservicecenter (09001-745822) * und fordern Sie Erklärung und Umtausch.
Achtung! Diese Telefone können noch immer in alter Verpackung über den Tresen wandern oder ohne entsprechende Hinweise in großen Marktketten abverkauft werden!
Lassen Sie sich nicht blenden.
Und so sieht das Telefon aus:
* 1,24 € pro Minute aus dem Festnetz, Gebühr kann bei Anufen von Mobiltelefonen abweichen.
Übrigens: Angeblich strahlen die Telefone Gigaset AS285 nun nicht mehr. Diese sollen wie folgt eingestellt werden können: 80% Reduzierung der Funkleistung im Standby- und Gesprächszustand (ECO-Modus) und 100% Abschaltung der Funkleistung im Standby-Modus (ECO-Modus +).
Update:
14.05.2009: Der Hersteller bittet Käufer falsch deklarierter Ware diese beim Händler zurückzugeben. Sollte sich der Händler weigern oder querstellen, so bittet Siemens, den Kundensupport unter customer-support@gigaset.com zu kontaktieren.
Ein wirkliches Bedauern oder gar ein kleines Goodie für den Ärger und die ungewusste Bestrahlung gibt es seitens des Herstellers nicht. Sehr, sehr schade….



Mai 12th, 2009 at 08:50
Vielen Dank für den interessanten Artikel.
Eine Frage hätte ich dennoch: Bezieht sich der “Skandal” auf das A265 oder muss man befürchten das alle ECO+ Telefon strahlen ? Es geht mir jetzt ganz speziell um das A580 im ECO+ Mode. Hier soll angeblich KEINE Strahlenbelastung gegeben sein.
Ihr Artikel hat mich nun verunsichert. Würde mich freuen wenn Sie mich eventuell etwas aufklären könnten.
MfG
Mai 12th, 2009 at 19:34
Vielleicht kannm es sein, dass hier mit unterschiedlichen Werten angegeben wird. Ich hab das nicht mal gelesen. Aber beim Vergleich mit anderen Telefonen von anderen Herstellern steht zumindest drauf, dass was gemacht wird. Das ist bei den anderen nicht so. Warum wohl?
Mai 13th, 2009 at 10:31
DECT-Telefone ohne Strahlenbelastung gibt es nicht. Zumindest wenn telefoniert wird, ist man mit jedem Gerät selbst und sind andere im großen Umkreis erheblich gefährdet.
Mai 13th, 2009 at 22:59
@S.Schuster
Angeblich, so Siemens-Kundenservice-Hotline, seien alle Telefone mit einer 8 (580, 285 etc.) mit dem “neuen” Eco-DECT-Modus, der es erlaubt, die Strahlung der Basisstation zu reduzieren (um 80%).
Nachgemessen haben wir es noch nicht.
@Karlheinz:
Ja, das gibt es – und wer die alten CT+-Telefone nutzt, macht sich seit 1.1.2009 strafbar, da deren Zulassung abgelaufen ist. Es bleibt also entweder “schnurgebunden” – oder aber eines, das tatsächlich strahlenreduziert ist.
Wir haben bei den Siemensgeräten, die wir gemessen haben zumindest eine kleinere Strahlung am Mobilteil gemessen, als bei anderen Herstellern… Aber – wir können das – allein aus Budgetgründen – nicht bei allen Telefonen machen…
@all
Zum ECO-DECT-Wirrwarr von Siemens gibt es vom Dr. Martin Virnich einen Beitrag: “Wenig Licht – viel Schatten: Siemens ECO DECT“
Mai 13th, 2009 at 23:31
@S.Schuster
Sie finden eine Liste der “tauglichen” DECT-Telefone hier: http://www.diagnose-funk.ch/technik/dect-schnurlostelefone/index.html
Soweit ich das sehe, gehört das 580 auch dazu.
Mai 15th, 2009 at 11:58
[...] wenigen Tagen hatten wir mit großer Ressonanz über die Gigaset-Lüge berichtet. Und obwohl das Thema Siemens schon mindestens seit August 2008 bekannt sein muss (denn [...]
Mai 24th, 2009 at 01:23
[...] auch Siemens – wir berichteten kürzlich über die Gigaset-Lüge – wäre schon seit langem in der Lage, DECT-Telefone mit wesentlich weniger Strahlenbelastung [...]